"Optimalwohlökonomie" durch KI?

"Optimalwohlökonomie" durch Künstliche Intelligenz?
 
In Ihren Werken "Die Optimierer" und "Die Unvollkommenen" beschreibt die Münchner Autorin und Softwareentwicklerin Theresa Hannig die fiktive "Bundesrepublik Europa" in den 2050er Jahren. Sie malt das nüchterne Bild einer voll digitalisierten Gesellschaft, die sich vom Rest der Welt abgeschottet hat. Die Bevölkerung der "BEU" wird von hochentwickelten Robotern versorgt und geschützt - aber auch bis in den letzten Winkel überwacht und in ein staatliches Ranking eingeordnet. Kritik wird nicht geduldet, immerhin dient das System der sogenannten "Optimalwohlökonomie". Durch die Augen der beiden Protagonisten Samson Freitag und Lila begeben sich die Leser*innen auf eine Reise durch ein System, das alles daran legt, die Menschen zu optimieren - ob sie wollen oder nicht. 
 
Mit ihrem preisgekrönte Debütwerk stellt sich Theresa Hannig einerseits in die Tradition bekannter Klassiker dystopischer Literatur wie "Brave New World" oder "1984", ihr gelingt es dabei andererseits hochaktuelle Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu integrieren. Sie entwirft Szenarien digitaler staatlicher Überwachungen und Klassifizierung: Künstliche Intelligenz bestimmt den gesamten Alltag und Lebensweg eines Individuums, von der Ernährung bis zur Berufs- und Partnerwahl. Alle Entscheidungen des Systems basieren auf Daten, die von einem allgegenwärtigen Netzwerk digitaler Spione und biometrischer Sensoren erhoben und ausgewertet werden. Was als technologische Antwort auf den Klimawandel und gesellschaftliche Spaltungstendenzen für das "Optimalwohl" eingeführt wurde, stellt Hannig in ihren Romanen als beängstigende Vision einer totalitären Technokratie dar. 
 
Datenschutz oder Gesundheitsschutz?
 
Die Relevanz dieses Gedankenspiels zeigt sich ganz offenkundig in der Diskussion über Tracking-Apps zur Bekämpfung der Corona-Pandemie: Wieviel digitale Selbstbestimmung soll das Individuum zum Wohle aller aufgeben? Welche Gefahren, aber auch Verantwortlichkeiten ergeben sich durch die generelle Digitalisierung  aller Lebensbereiche? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die "Optimalwohlökonomie" Realität wird? 
Die Veranstaltung greift diese Fragen auf und soll Möglichkeiten zur fächerübergreifenden Auseinandersetzung mit den Themen Künstliche Intelligenz, Überwachung vs. Sicherheit, digitale Mündigkeit im Unterricht aufzeigen. 
 
Theresa Hannig wird ausgewählte Passagen aus ihren Werken "Die Optimierer" und "Die Unvollkommenen" vorlesen, im Anschluss haben die Teilnehmenden die Möglichkeit mit ihr ins Gespräch zu kommen.
Zu den beiden oben genannten Büchern stellt die Autorin zudem freundlicherweise Unterrichtsmaterial zur Verfügung, welches durch das NLQ in Auszügen als Moodle-Kurs aufbereitet wird.
 
Am 8.6.2021 bot das NLQ in Kooperation mit dem Medienzentrum Harburg allen Interessierten die Möglichkeit kostenlos an der Online Lesung teilzunehmen. Auch die Teilnahme von Klassen/Kursen (ab Jg. 10) war möglich.
 
Bei Rückfragen stehen Eva Maria Krause (krause(at)nlq.nibis.de) sowie Tobias Schlör (schloer(at)nlq.nibis.de) als Ansprechpersonen zur Verfügung.

NLQ Talks on demand

Hier finden Sie die komplette Lesung mit der Autorin Theresa Hannig sowie die medienethische Diskussion über ihre Werke und darüber hinaus.

Kontakt

Letzte Änderung: 20.07.2021

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