Dann mach mal! - Von der Idee zum Film in 28 Tagen

Praxisbericht von Frank Diedrichs

Carl-Prüter-Schule Oberschule Sulingen

Eine Idee wird geboren und ein Auftrag erteilt

Am 23. Februar 2021 endete nach fünf Stunden intensiver Arbeit das erste Modul zum Thema „Videojournalismus“ des n-report-Projekts „Journalismus macht Schule“. Grundzüge der Filmarbeit und des Schneidens führten bei uns Teilnehmenden zu ersten Produkten: Filme über die eigenen Kinder im Distanzlernen oder auch der Heißhunger auf Porridge zeigten bereits das Potential.
In Gesprächen sammelten wir weitere Ideen. Es fiel der Begriff des One-Shot-Videos: ein Video, gedreht in einer einzigen, schnittfreien Einstellung. Diese Idee ließ mich nicht mehr los. Ich machte mir zu Hause Gedanken über die Einbindung in meinen Unterricht. Eine eigene Medien-AG kam leider aufgrund der Corona-Situation nicht zustande. Die meisten Lerngruppen befanden sich in Szenario C, nur die Abschlussklassen waren regelmäßig in der Schule.
Am Tag nach dem Modul teilte ich meinem Schulleiter meine Idee mit. Gerade die Möglichkeit, mit einem One-Shot-Video einen Image-Film für die Schule zu erstellen, sprach ihn direkt an. Unser Gespräch endete mit seiner Aussage: „Dann mach mal, du hast vier Wochen Zeit!“
Wir beide sahen in einem Image-Film die Möglichkeit, vor den anstehenden Anmeldungen der Grundschulkinder unsere Schule und unser Kollegium zu präsentieren. Der Plan war, mit der Kamera durch das Schulgebäude zu laufen. An verschiedenen Stellen im Gebäude würden Kolleginnen und Kollegen sowie Schülerinnen und Schüler Aktionen vorführen, die einen direkten Bezug zu unserem Schulleben haben.

Die Planung der Aktionen

Die Planungen für ein Projekt dieses Formats belaufen sich in der Regel auf mehrere Monate. Vor dem Kollegium und mir lag eine sportliche Aufgabe. Beim Initiieren von neuen Projekten steht an erster Stelle immer die Überzeugungsarbeit. Dies sollte auch bei meinem Vorhaben nicht anders sein. Einige Lehrkräfte waren zu Beginn skeptisch. Sie sprachen von „der immer mehr belastenden Arbeit im Distanzlernen“ und stellten häufig die Frage, ob „das denn alles sein müsse, wir haben ja genug zu tun.“
Als hilfreich erwies sich, dass der grobe Ablauf mit dem genauen Ziel schon im Vorfeld festgelegt wurde: Das Kollegium konnte Umfang und Dauer des Projektes gut einschätzen und war leichter zu überzeugen.
Eine Arbeitsgruppe war schnell gegründet. Auch Schülerinnen und Schüler wurden schnell gefunden, die bereit waren, an diesem Projekt teilzunehmen.
Durch die voranschreitende Digitalisierung konnten die Lehrkräfte sich über den internen Messenger verständigen, sodass früh zwei Arbeitstreffen stattfanden.
Mit Hilfe eines kollaborativen Dokuments wurden Ideen gesammelt und gebündelt. Diese Form der Zusammenarbeit entlastete die Mitwirkenden, da der Austausch unabhängig von Zeit und Ort erfolgte. Des Weiteren blieb die Entwicklung des Projekts zu jedem Zeitpunkt transparent.
Wichtig war mir an dieser Stelle, dass auch die Jugendlichen ihre Ideen einbringen konnten. Sie fokussierten ihren Einsatz auf die Darstellung unseres Schwerpunktes Sport und der Berufsorientierung.
Als Koordinator hatte ich immer im Blick, dass alle Bereiche (Fachgruppen aber auch beispielsweise das Präventionsteam oder das Sekretariat) involviert werden.

Die Vorbereitung des Drehs

Parallel zu den Planungen liefen die Vorbereitungen für den Dreh. Die Punkte der Aktionen im Schulgebäude wurden im Grundriss markiert. Es wurde überlegt, welche Wege am sinnvollsten sein würden, sodass viele Bereiche der Schule im Bild sein würden. Mehrmals ging ich mit Hilfe von Schülerinnen und Schülern den Weg ab. Zeiten wurden gestoppt, Wege verworfen, der Ablaufplan umgestellt oder Aktionen an andere Orte positioniert. Als schwierig stellte sich heraus, wie viel Zeit man einzelnen Aktionen zugestehen sollte.
Entscheidungen mussten auch bezüglich des Equipments getroffen werden. Die Wahl fiel auf die Smartphone-Kamera in Verbindung mit einem sogenannten Gimbal: eine Steady-Cam für Smartphones.

Das One-Shot-Video sollte ohne Sprache gefilmt werden. Folglich lizenzierten wir Musik. Für die unterrichtliche Arbeit eignet sich mit Sicherheit die Einbindung der Musiklehrerkräfte und ihrer Klassen, um beispielsweise Filmmusik eigenständig zu komponieren. Aufgrund der Kürze der Zeit war uns dies nicht möglich.
Während ich mich um den Dreh kümmerte, liefen die Vorbereitungen für das Set weiter. Nach dem ersten Arbeitstreffen hatten Lehrkräfte weitere Gruppen gebildet, die die Aktionen vorbereiteten. Im Rahmen einer Dienstbesprechung wurde am Tag vor dem Dreh gebastelt, gemalt, Dekoration hergestellt, Catering geplant. Hier wurde bereits deutlich, dass die anfängliche Skepsis einer Begeisterung wich, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Und: alle beteiligten sich!
In der abschließenden Besprechung wurde jede Arbeitsgruppe, jede Lehrkraft, jeder Schüler und jede Schülerin noch einmal instruiert, was sie am folgenden Drehtag machen sollte. Meine Wege mit der Kamera wurden vorgestellt, sodass klar war, wer wann wo zu stehen hatte und wann die Position gewechselt werden mussten, da einige Lehrkräfte mehrfach eingesetzt waren.

Die Durchführung wird ein voller Erfolg

Am Dienstag, 16. März, dreieinhalb Wochen nach der Fortbildung, begann der Dreh. Man spürte allen die Anspannung an, jeder war bereit, das Beste zu geben.
Es erfolgte ein Probedurchgang, letzte Instruktionen wurden gegeben. Allen war klar, dass ein Fehler, eine Unachtsamkeit dazu führen würde, dass der Dreh wiederholt werden müsse.
Dann ging es los. Über die Schullautsprecher lief die Musik. Mit der Kamera in der Hand lief ich den Weg ab. Vorbei an chemischen Experimenten, BMX-Fahrern, lötenden Werkern, Fußballern, Bus-fahrerinnen, Schulgärtnerinnen, einem Imker, musizierenden Lehrkräften… Die Vielzahl der Aktionen war grandios.

Die Abschlussschüler denken über ihre Zukunft nach, Foto: Frank Diedrichs
Musikalisch ist unser Kollegium auch, Foto: Frank Diedrichs


Nach jedem Dreh wurde der Film überprüft: Wo können sich Lehrkräfte anders positionieren? Wie ist die Beleuchtung? Wo wackelt etwas? Diese Gedanken wurden mitgeteilt und der Dreh wiederholt. – Das ganze fünf Mal, dann waren wir zufrieden!
Als Abschluss des Drehtages wurde der ausgewählte Take allen präsentiert. Die Begeisterung und der Jubel im Anschluss sprachen für sich.

Nachbereitung

Die Nachbereitung im Anschluss war schnell gemacht. Mit einem Videoschnittprogramm wurden ein Titel und ein Nachspann eingefügt, einige Sequenzen in der Geschwindigkeit erhöht und zum Schluss die Musik über den Film gelegt.
Am 22. März 2021 wurde das Video mit dem Titel „Die CPS dreht durch“ auf unserer Homepage veröffentlicht – und erhält bis heute sehr positive Resonanz.

Das Resümee
Am Ende sind alle begeistert, Foto: Frank Diedrichs

 

Die Begeisterung beim Kollegium, etwas gemeinsam geschafft zu haben, war sehr groß. Die Stärkung des Wir-Gefühls und die Förderung des Teamgeistes wurden besonders hervorgehoben. Die anfänglichen Bedenken waren verflogen. In Gesprächen wurde deutlich, dass während der Corona-Pandemie viele unter großer Belastung standen, an Überforderung durch den Wechsel von Distanzlernen und Präsenzunterricht litten und das Gefühl hatten, mehr „Einzelkämpfer als Teamplayer“ zu sein. Dies konnte abgeschwächt werden. Diese Veränderung fiel auch Lehrkräften auf: „Endlich hat man einige Kolleginnen und Kollegen mal wieder lachen sehen“, merkte Mehmet Beser an, „die [waren] sonst immer erschöpft und von der Situation um Corona überfordert.“
Auch die Jugendlichen hatten das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein. Sie waren über-rascht von der Ausgelassenheit. „So kennen wir die Lehrkräfte gar nicht, da waren einige völlig überdreht“, sagte Dustin und lachte. Er meinte dies durchweg positiv.
Mein Schulleiter zeigte sich auch zufrieden und ist gespannt, welche Ideen aus dem Projekt „n-report“ noch erwachsen.

Die Umsetzungsmöglichkeiten in der Schule und Unterricht

Der planerische Aufwand für ein One-Shot-Video in Form einer Kamerafahrt ist komplex, aber durch eine methodisch-didaktische Aufbereitung auch mit Schülerinnen und Schülern zu realisieren. Der technische Aufwand mit Gimbal und Smartphone ist dagegen relativ gering und kosten-günstig, ebenso für die Jugendlichen leicht zu erlernen und umzusetzen.
Fachlich und thematisch lassen sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten erschließen. Nur zwei seien genannt: Obere Jahrgänge drehen kurze Videos, um beispielsweise den neuen Schüler innen und Schülern im Jahrgang 5 das Schulgebäude vorzustellen. Im Sportunterricht können Bewegungsabläufe mit der Steady-Cam verfolgt werden.


Zur Person

Frank Diedrichs unterrichtet Deutsch, Politik, Erdkunde und Geschichte an der Carl-Prüter-Schule Oberschule in Sulingen. Dort leitet er die Medien-AG mit den Schwerpunkten Video und Podcast.

Kontakt

Letzte Änderung: 17.10.2021

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