Begegnung mit Sara Atzmon, einer Zeitzeugin des Holocaust, als Kunst- und Medienprojekt

Eine Begegnung mit einer der wenigen Zeitzeugen des Konzentrationslagers Bergen-Belsen hatten am 28. April 2015 kleine Gruppen von Schülerinnen und Schülern der Realschule Verden, des Gymnasiums am Markt aus Achim sowie einer Tablet-Klasse der OBS/IGS Celle. Anlässlich der Gedenkfeier am 26. April 2015 zur 70-jährigen Befreiung des Lagers durch die englische Armee, waren um die hundert ehemaligen Gefangene des Lagers aus allen Teilen der Welt zu der heutigen Gedenkstätte angereist.

Eine von ihnen war Sara Atzmon, die als 12 jähriges Kind aus Ungarn stammend über Auschwitz und andere Lager nach Bergen-Belsen ins sogenannte Ungarnlager deportiert wurde. Frau Atzmon verlor insgesamt 60 Personen aus ihrer Verwandtschaft in den Lagern der Nationalsozialisten. Sie befand sich auf weiteren Deportation in einem Zug, der nach einem Luftangriff der amerikanischen Armee in der Nähe von Magdeburg befreit wurde. 17 Kilogramm betrug ihr Gewicht damals. In einer der ersten Gruppen von Juden die nach Israel auswandern wollten kam Sara Atzmon nach Palästina, heiratete dort ihren Mann Uri und wurde Mutter von 6 Kindern. Heute zählt sie 22 Enkel und 5 Urenkel in ihrer Heimat bei Tel Aviv um sich.

Vor etwa 25 Jahren brach sie ihr Schweigen über das Geschehene und drückte ihre Erinnerungen immer wieder in Bildern und Skulpturen aus. Frau Atzmon wurde eine angesehene Malerin mit Ausstellungen in allen Teilen der Welt. Ihre Werke werden in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem ebenso ausgestellt, wie in Bergen-Belsen und den Museen Israels. Neben ihren Ausstellungen auf verschiedenen Kontinenten ist die Begegnung mit Schülern ihre Passion geworden. Seit vielen Jahren ist sie häufig auch in deutschen Schulen anzutreffen, um den Jugendlichen über ihre Erfahrungen zu berichten. Hierbei steht die Erinnerung stets als Mittel zum Blick in die Zukunft und als Chance, das persönliche Verhalten im Umgang mit Menschen anderer Religionen, Hautfarben und Kultur zu prüfen. Im Jahr 2012 wurde Sara Atzmon das Bundesverdienstkreuz für diese unermüdliche Aufklärung verliehen. Noch heute, mit 82 Jahren, besucht sie um die hundert Schulklassen im Jahr auf ihren Reisen um die Welt.

Auf Einladung des Niedersächsischen Landesinstitutes für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) und des Medienzentrums Verden reisten Kleingruppen von Schülern als Abgeordnete ihrer Schulen zur Gedenkstätte Bergen-Belsen. Dort trafen sie auf Sara Atzmon, hörten sich deren Erzählungen an und stellten ihre Fragen an die Zeitzeugin, die sehr persönlich waren und großes Interesse zeigten. Sie waren gut vorbereitet auf den Besuch und bewiesen ihr Wissen um die Zeit des Nationalsozialismus.

Die Schülerinnen und Schüler hatten Malutensilien mitgebracht. Als Mittel zur Verarbeitung der Gespräche malte Sara Atzmon gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern, so dass eine kleine Galerie von Kunstwerken entstand. Eine Gruppe machte im Außengelände der Gedenkstätte Fotos und Filmaufnahmen zusammen mit der Journalistin und Filmemacherin Ilona Rothin aus Berlin. Frau Rothin hat eine Dokumentation mit dem Titel „Holocaust light - gibt es nicht“ über Frau Atzmon gedreht, der den niedersächsischen Schulen über das Medienportal Merlin des Landes zur Verfügung steht.

Für die Nachbereitung des Treffens mit Sara Atzmon haben sich die Schülergruppen die Erstellung eines Medienprojektes vorgenommen, mit der sie die Erlebnisse der Begegnung ihren Mitschülern, die nicht dabei sein konnten, vermitteln möchten. Smartphones und Tablet-PCs dienten den Schülerinnen und Schülern als Videokamera und Fotoapparat, als Mikrofon und Notizblock. Die Ergebnisse ihrer Dokumentation wollen die Gruppen in ihren Schulen einsetzen um ihren Mitschülern von dem Tag in der Gedenkstätte zu berichten. Auch hier sollen die Schülerarbeiten später einmal zu sehen sein. Da freuen wir uns drauf!

Am Tag zuvor hatten Referendare verschiedener Studienseminaren aus Verden und Celle die Gelegenheit mit Sara Atzmon zu sprechen. Die Zeitzeugin unterstrich ihre Ausführungen immer wieder mit den Zeugnissen ihrer Verarbeitung der Ereignisse, den vielen Bildern und Kunstobjekten, die sie in ihrem Künstlerleben schafft.

Gemeinsam mit der Filmemacherin Ilona Rothin wurde anschließend diskutiert, wie man das Thema Holocaust im Unterricht den heutigen Schülerinnen und Schüler näher bringen kann. Dazu wurden immer wieder Bezugspunkte zu den heutigen Ereignissen um die Themen Antisemitismus und Ausländervorbehalte gesucht und auch die aktuellen Geschehnisse um die vielen Bootsflüchtlinge aus Afrika thematisiert.

Beendet wurde das Treffen mit einem gesanglichen Geburtstagsgruß an Sara Atzmon, die an diesem Tag 82 Jahre alt wurde.

Weitere Informationen zu Sara Atzmon unter: www.saraatzmon.com
Die Dokumentation „Holocaust light - gibt es nicht“ über Sara Atzmon finden Sie im Medienportal Merlin.
Website der Gedenkstätte Bergen-Belsen: http://bergen-belsen.stiftung-ng.de/de/home.html

Text und Fotos: Joachim Kruse

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