Schulbuchstudie Migration und Integration

Das Georg Eckert Institut (GEI) hat in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Bildungsintegration an der Stiftung Universität Hildesheim für die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration eine Analyse zur Darstellung von Migration und Integration in ausgewählten aktuell zugelassenen Schulbüchern der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer Sozialkunde/Politik, Geschichte und Geografie aus den Bundesländern Nordthein-Westfalen, Sachen, Bayern sowie Berlin und Brandenburg durchgeführt.

„In der Studie wurde untersucht, ob und wie Migration und Integration in Bezug auf gesellschaftliche Vielfalt in deutschen Schulbüchern dargestellt werden und inwiefern Schulbücher zu einer zunehmenden Akzeptanz von Diversität als gesellschaftlicher Normalität beitragen.“ (S.6)

Fazit der Studie

„In den Schulbüchern aller drei Fächer findet sich eine quantitative Betrachtung von Migration, die auf die hohe Zahl der weltweiten Migrierenden verweist und – vor allem in den Sozialkundebüchern – deren spezifische Herausforderung für Europa betont. Migration wird dabei zumeist definiert als Wanderung von Individuen, Gruppen oder weiter gefassten Kollektiven oder sogar von „ganzen Volksgruppen“ oder „Völkern“. Diese Definitionen erwecken bereits den bedrohlichen Eindruck, als migrierten nicht etwa nur Individuen oder Familien, sondern größere homogene Kollektive oder Massen als solche.“ (S. 62)

"Die Untersuchung zeigt, dass in den analysierten Schulbüchern die Problematisierung von Migration gegenüber der Darstellung von Diversität als Normalfall überwiegt. Migration wird in den Sozialkunde- und Geschichtsschulbüchern, teilweise auch in Geografieschulbüchern primär als konfliktträchtig und krisenhaft dargestellt. Sie führt zwangsläufig zu gesellschaftlich kontroversen Positionen. In diesem Zusammenhang erscheinen Migration und Diversität letztlich nur als Problem und Herausforderung für eine weiterhin überwiegend als homogen vorgestellte Gesellschaft." (S. 67)

Empfehlungen für Lehrerinnen und Lehrer

  • „Problematische Darstellungsweisen in Schulbüchern nutzen zur Herausbildung kritischer Reflexion im Unterrichtskontext (besonders in Bezug auf kontroverse Inhalte in Schulbüchern)
  • Kritische Auseinandersetzung mit den Themen Migration/Integration im Unterricht, auch im Hinblick darauf, wie sie sich in Schulbüchern widerspiegeln
  • Reflexion der Normen, die in gesellschaftlichen Konzepten (z. B. Integration oder Inklusion) enthalten sind
  • Kritische Auseinandersetzung mit Bezeichnungspraxen (z. B. verallgemeinernde Gruppenbezeichnungen vermeiden: „die Türken“, „die Deutschen“)
  • Folgende Themen unter Einbeziehung der persönlichen Rolle/Erfahrung der Schülerinnen und Schüler und ihrem Wirken in der Gruppe/Gesellschaft bearbeiten: Vorurteile, Respekt und Anerkennung, Mehrfachidentitäten und Mehrfachzugehörigkeiten, Rassismus und strukturelle Privilegierung und Diskriminierung
  • Lernende als gesellschaftliche Individuen ansprechen und ihre unterschiedlichen persönlichen Bezüge zu und Erfahrungen mit Migration und Integration im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Strukturen thematisieren (persönliches und biografisches Lernen)(…)
  • In Bezug auf den gesellschaftswissenschaftlichen Unterricht: Themen wie Migration, Integration, Islam und Muslime, (Post-)Kolonialismus, Holocaust, Nationalgeschichte im Hinblick auf das individuelle und gemeinsame Erinnern in heterogenen Schulklassen diskutieren“ (S. 68/69)
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