Medien = Quellen

Im Quellenbegriff fließt die Doppelfunktion von Medien, Unterrichtsgegenstand oder -mittel zu sein, zusammen. Medien als Quellen verstanden, sind für Historiker immer beides zugleich: Mittel der Erkenntnisgewinnung und des Informationserwerbs ebenso wie Gegenstand der Analyse bzw. kritischer Bearbeitung. Didaktisch gesehen und im Verständnis des historischen Lernens muss allerdings auch der Umkehrschluss gelten: Quellen als Medien zu verstehen.

Daran anknüpfend muss der Kanon der Quellen vor allem für die Zeitgeschichte zwingend um diejenigen Quellen erweitert werden, die maßgeblich für Kommunikation und Öffentlichkeit in der modernen Informationsgesellschaft sind. Dann lassen sich auch einige neue Chancen für den Geschichtsunterricht formulieren:

  • Über Medien können neue Fragen und Perspektiven an traditionelle Themen des Geschichtsunterrichts gestellt werden. (Perspektivänderung)

  • Medien können dazu beitragen, geschichtliche Probleme auf eine Ebene zu bringen, in der sie kommunizierbar werden. (kommunikative Funktion)

  • Über Medien können Perspektiven in den Unterricht eingebracht werden, die sonst nicht darstellbar wären. Um z. B. den eurozentristischen Blick auf die Geschichte zu überwinden und stärker als bisher auch die Geschichte andere Regionen und Kulturen dieser Welt thematisieren zu können,

    ist jede Lehrkraft im Geschichtsunterricht darauf angewiesen, Medien zu nutzen. (Perspektiverweiterung)

  • Medien eröffnen Möglichkeiten für neue, z. B. spielerische, Zugänge zu Geschichte. (Motivationsfunktion)

  • Medien bieten vielfältige Möglichkeiten, um selbst kreativ eigene historische Erkenntnisse zu präsentieren. Medien sind Mittel der Konstruktion von Geschichte. (Konstruktionsfunktion)

  • Medien sind in besonderer Weise geeignet, über die vergleichende Auseinandersetzung den Konstruktionsprozess von Geschichte erfahrbar zu machen. (historischer Vergleich)

  • Medien sind wesentliche Bestandteile der Kultur einer Gesellschaft, sie tragen damit auch bei zur Bildung (kollektiven) Bewusstseins. Diesen Prozess zu reflektieren, ist ohne die Nutzung von Medien nicht denkbar. (Reflexionsfunktion)

Quellen als Medien zu verstehen hat somit zur Folge, dass Kommunikation und Reflexion und weniger der Akt der Wissensvermittlung in den Mittelpunkt des Unterrichts gestellt werden. Allerdings sollten auch die Möglichkeiten einer bewussteren Nutzung der Medien gerade im Zusammenhang mit der Vermittlung historischen Wissens gesehen werden:

  • Datenbanken eröffnen neue Wege, um Informationen verfügbar zu machen;

  • Medien bieten neuartige Verknüpfungsmöglichkeiten verschiedener Quellenarten, können über Vernetzung von Wirklichkeitssegmenten der Forderung nach Multiperspektivität neue Impulse geben;

  • Medien bieten eine Vielzahl von Auswertungsverfahren/-möglichkeiten (statistische Berechnungen, grafische Umsetzung etc.);

  • die Simulation historischer Prozesse bzw. die mediale Rekonstruktion historischer Überreste bietet neue Formen der Veranschaulichung.

Dies hätte allerdings zu Folge, das Inhalte und Methoden anderer Fächer Eingang finden müssen in den Geschichtsunterricht: z. B. Verfahren der Bildinterpretationen (Kunst) und Filmanalyse (Kunst, Deutsch), Analyse von Wort-Ton-Bild-Strukturen (Deutsch, Musik), wahrnehmungs-psychologische Aspekte (Biologie) und informationstechnologische Fertigkeiten (Informatik).

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