Medien vermitteln Politik - aber wie?

Medienkompetenz setzt die Einsicht voraus, dass jeder kommunikative Akt Selektionen verkettet. Nicht, dass dies geschieht, sondern wie dies geschieht, muss untersucht und erklärt werden. Individuelle Wahrnehmung und medial vermittelte Kommunikation sind dabei an vergleichbare Prozesse der Auswahl und Sinnzuweisung gebunden.

Dass diese Selektionsketten nicht vom Zufall gesteuert werden, sondern bei aller Variationsfreiheit nach erkennbaren Mustern ablaufen, lässt sich an der Selektion und Verarbeitung von Nachrichten zeigen. Die Aussagen der Nachrichtenforschung zu Nachrichtenwerten und Nachrichtenfaktoren legen die Baugesetze frei, nach denen ein wesentlicher Teil der Medienrealität konstruiert wird.

Kompetenz zur Medienkritik setzt den kritisch distanzierten Blick auf die eigene Wahrnehmung voraus, denn Medienbotschaften sind nur ein Wahrnehmungsangebot. Ein Text oder ein Film entsteht erst im Kopf der Medienkonsumenten.

Medienanalyse ohne die Rückkopplung und Anbindung an das subjektive Medienerlebnis bleibt ein technischer und formaler Vorgang. Soll andererseits über den Austausch subjektiver Eindrücke hinaus ein Lernprozess über Medien und Medienwahrnehmung in Gang gesetzt werden, muss man immer wieder nachfragen und "nachsehen", warum ein und dieselben Aussagen, Bilder, Inszenierungen zu übereinstimmenden bzw. abweichenden Reaktionen führen.

Kompetenz, sich kritisch mit Medien auseinanderzusetzen, bedeutet demnach sich der eigenen Selektions- und Interpretationsmuster bewusst zu werden und Medien als Katalysator zu benutzen, um Wahrnehmungsdifferenzen aufzudecken und sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Noch in einem anderen Punkt könnte die gezielte Integration der Medienbildung in die politische Bildung apolitischen Tendenzen im gängigen medienkritischen Diskurs entgegenwirken.

Es gibt nicht wenige Ansichten die einen fortschreitenden Prozess der Zersetzung politischer Kultur durch den immer stärker werdenden Einfluss der Medien sehen. Wer aber den Formen unmittelbarer Öffentlichkeit in der antiken Polis oder in den Clubs der Aufklärung nachtrauert, hängt rückwärts gewandten Utopien nach. So konnten sich die Bürger der antiken Polis nur auf Kosten der nicht "demokratiefähigen" Schichten einschließlich der Frauen den öffentlichen Angelegenheiten widmen. Öffentlichkeit und Demokratie unter den Bedingungen der Massengesellschaften braucht Medien und muss anderen Regeln folgen. Dabei entstehen neue Probleme, mit denen man sich nicht abfinden sollte, für die der nostalgisch verklärte Rückgriff auf die Vor-Medienzeit jedoch keine Antworten liefern kann.

Beispiel: Griechenland-Berichterstattung

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