Mediendebatte

Bei der Bearbeitung des Themas "politische Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse" kann die politische Bildung zu einer notwendigen Korrektur der Diskussion über Medien beitragen.

Ein - immer noch - gängiger medienkritischer Diskurs lebt von einem technologischen Determinismus, der letztlich apolitisch ist. Danach wird der gesellschaftliche und kulturelle Wandel durch die technologische Entwicklung bestimmt. So wird sehr kurzschlüssig ein linearer Kausalzusammenhang zwischen dem Aufkommen von Radio, Fernsehen, Computer bzw. Internet und der Veränderung von Politik und Gesellschaft hergestellt - wobei die Ursache für die Veränderungen in dem Aufkommen der Technik gesehen wird.

Diesem technischen Determinismus wären Erklärungsansätze des "sozialen Konstruktivismus" entgegenzusetzen, wonach die Kultur die Technologie bestimmt. Auf alle Fälle muss man davon ausgehen, dass die Entwicklung von Technologien einerseits und der gesellschaftliche Wandel andererseits über vielfältige komplexe Wechselwirkungen miteinander gekoppelt sind.

Welche Gestaltungsspielräume selbst eine Technologie wie das Fernsehen einräumt, zeigt sich in der trotz aller Angleichungsprozesse sehr unterschiedlichen kulturellen Nutzung des Fernsehens in Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder den USA. Man denke dabei nur an den Umgang mit Parlamentsberichterstattung, Zulassung von Medien zu Gerichtsverfahren oder dem Privatleben von Politikern als Medienthema.

Ebenso wenig eindeutig ist das Internet einer "alternativen Öffentlichkeit" zuzuordnen. So reagierte beispielsweise bereits 1997 die Bonner Parteizentrale der CDU auf die Äußerungen von Gerhard Schröder zur Ausländerkriminalität umgehend mit einer "Entlarvungsliste", die ins Internet gestellt und per Fax an die Kreisverbände geschickt wurde. Diese Nutzung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien durch Parteizentralen ist dabei durchaus üblich und stärkt sicherlich deren Einfluss.

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