Technologische Kompetenz

"Ausgehend von der Tatsache, dass wir in einer „durch Technik konstituierten Welt“ leben, definiert der Soziologe Oskar Negt technologische Kompetenz in zwei Richtungen:

„Mit technologischer Kompetenzmeine ich eben nicht nur technische Qualifikationen im Sinne von das Wissen um die gesellschaftlichen Wirkungen von Technologien; diese komplexen Wirkungen bis in die gesellschaftlichen Mikrostrukturen hinein zu begreifen betrachte ich als eine eigentümliche Kompetenz, als eine durch Erweiterung des Wissens und durch Übung erworbene Fähigkeit, Technik als ein gesellschaftliches Projekt wahrzunehmen“ (Negt 1998, S. 35).

Technologie als gesellschaftliches Projekt zu begreifen bedeutet für Negt, sowohl ihre Vorteile als auch ihre Gefahren benennen und beurteilen zu können. In diesem Zusammenhang ist die Aneignung von Wissen notwendig, das uns erst zu verständigem Urteil befähigt:

„Indem wir uns technisches Wissen aneignen, ist es gleichzeitig notwendig, deren gesellschaftliche Folgen, ja ihre politischen und psychosozialen Wirkungen im Auge zu behalten. Die Technik ist nichts Neutrales. Sie kann als Herrschaftsmittel benutzt werden, und sie kann auch der Befreiung dienen. Wo man sie wertfrei betrachtet, übt sie in der Regel eine für die Betroffenen undurchsichtige Herrschaftsfunktion aus. Als Befreiung dagegen bedarf sie des aktiven Eingriffs, der bewussten Gestaltung der Verhältnisse (Negt 1998, S. 36).

In diesem Sinn fordert Negt einen produktiven und kritischen Umgang mit Technik, durch den die Menschen lernen, Gefahren und Vorteile zu beurteilen und sich von Fall zu Fall gegen den Einsatz bestimmter Technologie zur Wehr zu setzen." (1)

 Informationstechnologische Grundbildung

Dem technologischen Lernen kommt insbesondere auch im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien besondere Bedeutung zu. Es reicht nicht aus, zu lernen die neuen Medien kompetent zu handhaben, sondern man muss intuitiv verstehen, wo Probleme existieren. Schlichte Handlungs- oder Sicherheitsanweisungen sind sinnlos, wenn die Menschen nicht verstehen, warum sie tun sollen, was sie tun sollen.

Insofern ist eine informationstechnologische Grundbildung notwendig, um einerseits Medienkompetenz zu entwickeln  und gleichzeitig auch, die Kompetenz, politisch einschätzen zu können, welche wirtschaftlich verwerteten Technologien für die gesellschaftliche entwicklung problematisch sind.


(1)  SOCRATES-PROGRAMM. PROJEKTE ZUR LÄNDERÜBERGREIFENDEN ZUSAMMENARBEIT Grundtvig 1: Politische Partizipation durch gesellschaftliche Kompetenz: Curriculumentwicklung für die politische Grundbildung, S. 32

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