Gerechtigkeitskompetenz

Gerechtigkeitskompetenz ist die Bereitschaft und Fähigkeit, nicht nur Gerechtigkeit zu proklamieren, sondern bei politischen Handlungsträgern wie auch im sozialen Umfeld der Frage nach dem Gerechtigkeitswillen nachzugehen und anhand konkreten Handelns zu überprüfen. Dazu gehört auch, über Recht und Unrecht nachzudenken:

Die Menschen müssen lernen, zwischen Recht und Unrecht, zwischen Gleicheit und Ungleichheit zu unterscheiden.Wir leben in einer Gesellschaft, in der es so aussieht, als bestünde Chancengleichheit, als hätten wir die Gerechtigkeitsideale bei den Ausgangsbedingungen für erfüllte Lebensperspektiven verwirktlicht. Das Marktgeschehen mit dem Tausch von Äquvalenten dringt in unsere Gehirne und bekräftigt solche Gleichheitsillusionen. Es ist aber eine grandiose Täuschung, wir haben - selbst in Europa, vor allem aber weltweit - ein enormes Gefälle, reiche und arme Länder. Das ist offen sichtbar. Die Wahrnehmung zu schärfen für die unsichtbaren Ungleicheiten und für die versteckten Ungerechtigkeiten, das gehört seit der antiken Polis zum Grundbestand der politischen Bildung und zur Basisausstattung des öffentlich tätigen Menschen."1

Dieser Grundbestand wird heute zunehmend  in Frage gestellt. Die zunehmende Polarisierung Armut – Reichtum wird offenbar von vielen Menschen einfach als unabdingbar hingenommen. Für Medienbildung und politische Bildung gleichermaßen ein Thema ist, in wieweit auch die Berichterstattung in den Medien mit dafür verantwortlich ist, die Proportionen zu verdecken.


1 Oskar Negt: Der politische Mensch. Demokratie als Lebensform, Göttingen 20112, S. 226f

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