Ökonomische Kompetenz

„Dass Wirtschaft und Politik und ökonomisches und politisches Lernen eng zusammenhängen und dass dieser Zusammenhang fachdidaktisch theoretisch und praktisch höchst relevant ist, sind triviale Einsichten.“ (Reinhold Hedtke)

Wenn dies so trivial ist, was bedeutet es dann aber konkret, wenn ökonomisches Lernen „Kenntnisse über die Funktionslogik des ökonomischen Systems vermitteln und zur aktiven und reflektierten Teilhabe am Arbeitsleben befähigen (will)“ und „ Lernende (…) mit dem Prozess der Produktion und Verteilung von Gütern und Dienstleistungen vertraut sowie auf eine Rolle als ‚mündige Verbraucher‘ vorbereitet (werden).“? (Arbeitsbereich AGORA Politische Bildung des Instituts für politische Wissenschaft der Universität Hannover)

Es sind nicht die die Akkumulation von Wissen über sog. „Marktgesetze“ oder die Beschäftigung mit idealtypischen Modellen der Preisbildung etc., die dazu führen ökonomische Kompetenz zu entwickeln. Sondern, es geht darum, exemplarische ökonomische Tatbestände auf gesellschaftliche Zusammenhänge beziehen zu können. Über Ökonomie nachzudenken, könnte dann z.B. bedeuten, der Frage nachzugehen, wie unsere Gesellschaft mit der Wertschöpfung umgeht? Was passiert mit dem gesellschaftlich erarbeiteten Reichtum?

Die Vermittlung von Kenntnissen über die „Funktionslogik des ökonomischen Systems“ muss sicher auch die gegenseitigen Bedingungen von Politik und Ökonomie einbeziehen. Dabei ist von besonderer Relevanz, sich der verschiedenen möglichen Perspektiven der Beschäftigung mit dem „ökonomischen System“ bewusst zu sein und interessenorientierte Interpretationen wahrnehmen zu können.

Ökonomische Kompetenz entwickeln heißt aber auch, ökonomische Tatbestände auf die eigenen Lebenszusammenhänge beziehen zu können. Dies ist umso bedeutsamer, als festzustellen ist, dass es noch nie in der Geschichte so weit entwickelt war wie heute, dass die gesamten Lebenszusammenhänge auf Marktkompatibilität ausgerichtet werden (sollen). Damit sind soziale, kulturelle und individuelle Anpassungsprozesse an betriebswirtschaftliche Normen und Interessen verbunden, die Folgewirkungen für die individuelle Entwicklung wie auch die Gesamtgesellschaft haben: Zerstörung sozialer Bindungen, Steigerung der Selbstausbeutung, Ausgrenzung – bis hin zur Existenzvernichtung - nach innen und außen.

Ein und derselbe Sachverhalt, wie z. B. das Thema „Mindestlohn“, wird sicher aus betriebswirtschaftlicher Perspektive anders beurteilt als aus volkswirtschaftlicher Perspektive oder gar einer Sichtweise der politischen Ökonomie. Unterschiedlich werden dabei auch soziale und ökologische Aspekte entweder einbezogen oder ignoriert. Und sehr unterschiedlich sind sicher auch die Antworten die Unternehmen, Gewerkschaften oder die Beschäftigten selbst dazu finden.

In diesem Portal sollen sukzessive unterschiedliche Zugänge zur Beschäftigung mit Problemen von Politik und Ökonomie präsentiert und Anregungen und Materialien zur Auseinandersetzung mit der "Funktionslogik des ökonomischen Systems“ angeboten werden. Fragen der politischen Einflussnahme (Lobbyismus), wirtschaftlicher Machtverhältnisse und möglicher wirtschaftspolitischer Alternativen werden dabei nicht ausgeschlossen.

Das Portal ergänzt und erweitert auf diese Weise die Informationen des Fachportals Wirtschaft auf dem NiBiS.

 


Siehe dazu auch: Oskar Negt:  Der politische Mensch, Göttingen 2010, S. 230ff

Ziele und Inhalte

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Gegenüberstellung des Kompetenzmodells des niedersächsischen Kerncurriculums für die Sek II mit dem Modell „Ökonomische Kompetenz nach den EU-Projekt Politische Partizipation durch gesellschaftliche Kompetenz" Lesen Sie mehr
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