Kinder mit Traumata

Der Begriff „Trauma“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Verletzung“. Unter einem psychischen Trauma versteht man eine seelische Verletzung oder eine starke psychische Erschütterung, die durch ein extrem belastendes Ereignis hervorgerufen wird. Dazu gehören zum Beispiel Naturkatastrophen, schwere Unfälle, Vergewaltigungen, Terroranschläge, Kriegserlebnisse oder Entführungen. Solche Ereignisse können extremen Stress und Gefühle der Hilflosigkeit und des Entsetzens auslösen. Dies kann der Fall sein, wenn jemand selbst von dem Ereignis betroffen ist oder wenn er – etwa als Augenzeuge – miterlebt, wie andere Opfer dieses Ereignisses werden. (Amrhein 2015)
 

In der internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) werden zwei psychische Störungen beschrieben, die als Reaktion auf ein außergewöhnlich belastendes Lebensereignis auftreten können: eine Postraumatische Belastungsstörung und eine Akute Belastungsreaktion.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), deren Symptome, wie folgt beschrieben werden:

  • anhaltende, belastende Erinnerungen an das Trauma, oder ein wiederholtes Erleben des Traumas in intensiven, sich aufdrängenden Erinnerungen (Flashbacks). Sie werden oft durch Schlüsselreize ausgelöst, die der Betroffene mit dem Trauma verbindet, zum Beispiel durch Fotos, Menschen, Gerüche oder Geräusche.
  • ein wiederholtes Erleben des Traumas in Träumen oder Alpträumen
  • Vermeiden von Aktivitäten oder Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen würden, und Vermeiden von Gedanken und Gefühlen, die mit dem Trauma zusammenhängen
  • teilweise oder vollständige Gedächtnislücken an das Trauma
  • andauerndes Gefühl von Betäubtsein oder emotionaler Taubheit (Unfähigkeit, Freude, Trauer oder andere Gefühle zu empfinden)
  • anhaltende Symptome erhöhter Erregung und erhöhter psychischer Empfindlichkeit: etwa Schlafstörungen, starke Schreckhaftigkeit, extreme Wachsamkeit (Hypervigilanz), Konzentrations- und Gedächtnisschwierigkeiten, Reizbarkeit oder Wutausbrüche
  • Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen oder der Umgebung und ein vermindertes Interesse an Aktivitäten
  • sozialer Rückzug
  • beeinträchtigte Stimmung, zum Beispiel starke Ängste oder Depressivität

Menschen mit PTBS leben oft in einem Gefühl ständiger Bedrohung und empfinden ihre Umwelt plötzlich als unsicher und gefährlich. Schlüsselreize, die an das Trauma erinnern, können starke körperliche Symptome wie Herzrasen, Zittern, Übelkeit oder Atemnot auslösen.

Um die Diagnose einer PTBS zu stellen, müssen die Symptome in einen Zeitraum von sechs Monaten nach dem Ereignis aufgetreten sein und mindestens einen Monat anhalten. Zudem müssen sie zu deutlichem Leiden und Beeinträchtigungen in verschiedenen Lebensbereichen führen. Allerdings können nach einem Trauma auch jahrelang keine oder nur geringe PTBS-Symptome vorhanden sein. Sie können jedoch irgendwann – zum Beispiel durch veränderte Lebensumstände – stärker werden, so dass erst dann eine PTBS auftritt.

Eine Akute Belastungsreaktion (ABR) kann als Reaktion auf eine extreme psychische oder körperliche Belastung auftreten. Sie gilt nicht als psychische Erkrankung, sondern als normale Reaktion auf eine außergewöhnlich belastende Erfahrung.

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