Qualifizierung Seminarleitung

Übersicht

Die Ausbildung von Lehrkräften im Vorbereitungsdienst erfolgt an Studienseminaren und Schulen. Die Leiterin oder der Leiter des Studienseminars trägt die Gesamtverantwortung für die Ausbildung einschließlich der Qualitätsentwicklung und -sicherung im Studienseminar.

Das Ausbildungspersonal der Studienseminare ist zum überwiegenden Teil Personal der Schulen und erhält für Ausbildungszwecke Ermäßigungen. Das Anforderungsprofil für das Leitungspersonal der Studienseminare gestaltet sich hoch komplex. Leiterinnen und Leiter sind in mehreren Rollen tätig (u.a. Leitung der Dienststelle, Gesamtverantwortung für Ausbildung und Verwaltung, Dienstvorgesetzte, Ausbilder, Prüfungsvorsitzende) und müssen mit dem Kultusministerium (Anwärterzuweisung), der Niedersächsischen Landesschulbehörde (Einstellungsbehörde, Schulzuweisung der Auszubildenden, Aufsichtsbehörde, Haushalt, Organisation, personal- und dienstrechtliche Belange), dem „Prüfungsamt“ (Niedersächsisches Landesinstitut für Qualitätsentwicklung [NLQ]) und Schulleitungen in unterschiedlichen Kontexten zusammenarbeiten.

Um die Leitungsaufgaben in einem Studienseminar fachgerecht ausüben zu können, hat das NLQ ein Pilotvorhaben durchgeführt.

Dabei wurde insbesondere ein Ausbildungscurriculum erstellt, entsprechende Grundlagen für Führungsanforderungen und Qualitätsentwicklung im Bereich der Studienseminare entwickelt und in der Qualifizierungsmaßnahme selbst angewendet. Zum Entwicklungscharakter des Projekts gehörte die zunächst hypothetische Formulierung von Qualifizierungsinhalten. Dabei handelte es sich um die Bereiche „Führen – Leiten – Managen“ sowie „Qualitätssicherung und –entwicklung“, jeweils mit dem Fokus auf kommunikative Kompetenzen. Nach Beendigung des Pilotvorhabens finden nun auf der Grundlage der Erfahrungen und des entwickelten Curriculums Fortbildungen statt.

Die etwa einjährige Fortbildung  wird vom NLQ durchgeführt. Es wird ein zeitlicher Qualifizierungsumfang von etwa 10 Tagen angenommen.

Neben der Teilnahme an den Modulen bietet das NLQ Formen der Selbstreflexion an.

Die Fortbildung richtet sich an Leiterinnen und Leiter der Studienseminare sowie an ihre ständigen Vertreterinnen und Vertreter.

In dieser Schrift geht es um die „Qualifizierung von Leitungen der Studienseminare“. Die hiermit vorgelegte Fassung dokumentiert den aktuellen Stand (2013) der Erfahrungen eines modellhaften Trainingsprogramms, das in den Jahren 2011 – 2012 im Rahmen eines Entwicklungsprojekts von einer multiprofessionellen Projektgruppe entwickelt, erprobt und evaluiert wurde. Das hiermit vorgelegte Material soll zur Diskussion anregen und bedarf der fortlaufenden Weiterentwicklung und Evaluation.

In Anlehnung auf die Einlösung des Anspruchs ‚Eigenverantwortliche Schulen‘ wird eine Führungskonzeption angestrebt, die Leitgedanken der Eigenverantwortung (Paradigmenwechsel, Qualitätsverantwortung) umzusetzen.

 

Der legalistische Aspekt: Die Seminarleitung hat die Gesamtverantwortung für das Studienseminar und für dessen Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung. Das Projekt legte besonderen Wert darauf, die laterale Führung deutlich zu machen.

Der Unterstützungs-Aspekt: Wegen der großen Aufgabenfülle der Leitungen der Studienseminare ist es sinnvoll und professionell, zusätzliche Führungsressourcen innerhalb eines Seminars zu schaffen, die bei der Information, Kommunikation und Realisierung der anspruchsvollen Ziele leitungsunterstützend wirken. Hierin liegt eine große Chance, je nach Situation des Seminars, auch vorhandene Stärken/Kompetenzen/Interessen der jeweiligen Stelleninhaber/-innen zu nutzen.

Der Qualifikations-Aspekt: Seminarleitungen der Studienseminare werden besonders geschult in der Wahrnehmung kommunikativer Aufgaben, um laufende Management- und strategische Entwicklungs-Prozesse eines Seminars zielorientiert initiieren, begleiten, reflektieren und auswerten u können. Besonderen Stellenwert erhalten folgende Führungsaufgaben:

  • Moderation von Veränderungsmaßnahmen (Projekte u.a.)
  • Teamkompetenz
  • Gesprächs- und Konfliktbearbeitungs-Strategien
  • Organisation eines Studienseminars

Es werden Instrumente und Verfahren kennen gelernt, die in der unmittelbaren Praxis den Alltag bewältigen. Ziel ist es, dass sich die derart qualifizierten Leitungsmitglieder bestmöglich auf ihren Rollenwechsel ‚Leitung eines Studienseminars‘ und die damit verbundenen neuen Aufgaben vorbereiten.

Auf eine Differenzierung zwischen `Der Leiterin und dem Leiter einerseits und der Vertreterin und dem Vertreter` andererseits wird bewusst verzichtet.

 

Qualifizierung

Mitglieder der Leitungen der Studienseminare erhalten eine Qualifizierung für ihren neuen Tätigkeitsbereich. Die erste Pilotgruppe wurde in einem Ausschreibungsverfahren ausgewählt. Die Qualifizierung besteht aus berufsbegleitenden Trainingsphasen. Eine multiprofessionelle Gruppe (Verantwortliche auf den verschiedenen Ebenen der Schuladministration, ausgewählte betroffene Seminarleitungsmitglieder und ihre ständigen Vertreterinnen und Vertreter) haben gemeinsam und schrittweise das Konzept in Workshops entwickelt, sodann mit einer Pilotgruppe erprobt und auf Funktionalität und Wirkung evaluiert. Da die Fluktuation in den Leitungsstellen gering ist, werden die Angebote alternativ als Begleitfortbildungen durchgeführt.

Ziele der Qualifizierung

Die Leitungsmitglieder der Studienseminare sollen durch die Qualifizierung Kompetenzen in den für die Arbeit eines Studienseminars relevanten Handlungsfeldern aufbauen bzw. vertiefen können.

Handlungsfelder sind:

  • Personalführung
  • Organisation und Verwaltung
  • Kooperation innerhalb des Seminars
  • Kooperation mit dem Umfeld
  • Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung

 

Kompetenzmodellierung

Kompetenzen werden hier verstanden als Sach-, Sozial,- Personalkompetenzen bzw. welches Fachwissen, motivationalen Orientierungen, Überzeugungen/Werthaltungen, selbstregulative Fähigkeiten (vgl. Baumert & Kunert, 2006) für die erfolgreiche Bewältigung der Aufgaben in diesem Handlungsfeld jeweils nötig sind.

Wissen (kognitive Strukturen), Können (Fähigkeiten und Fertigkeiten), Wollen (Grundhaltungen, Einstellungen, Werte).

 

Handlungsfeld: …

 

Kompetenz: …

 

Wissen

Können

Wollen

 

 

In allen Modulen  wird auf der Basis der Studienseminarpraxis gearbeitet, so dass praktische Übungen und Fallbeispiele immer direkten Bezug zum Studienseminaralltag haben.

Gestaltung der Qualifizierung

Voraussetzung:

Übernahme der Funktion als Leitungsmitglied eines Studienseminars

Dauer:

6 Module, im Ablauf eines Jahres (ca.)

Teilnahme:

Für alle Leitungsmitglieder , Bewerbung auf die verfügbaren Plätze

Lernorganisation:

Qualifizierung, lehramtsübergreifend.

Die Qualifizierung wird künftig zusammen mit der SLQ – Erstqualifizierung durchgeführt. Die Leitungsmitglieder der Studienseminare erhalten ergänzende und differenzierende Module (z. B. Seminarorganisation). Daher sind die Inhalte des SLQ – Curriculums immanenter Bestandteil der Qualifizierung der Leitungen der Studienseminare.

Lerninhalte:

Die Qualifizierung der Leitungen der Studienseminare gliedert sich in 6 Module:

  1. Qualitätsentwicklung
  2. Personalkompetenz
  3. Führungskompetenz
  4. Seminarorganisationskompetenz
  5. Rechtskompetenz
  6. Inklusion

Kursleitung:

Externe Anbieter des NLQ und/oder Trainerinnen und Trainer des NLQ (Trainerinnen und Trainer für SLQ und Trainerinnen und Trainer für die Qualifizierung der Leitungen der Studienseminare)

Abschluss:

Zertifizierung durch das NLQ

 

Die Themen der Qualifizierung

 

Modul 1

Qualitätsentwicklung

 

Kompetenz

 

Inhalte

 

Qualitätsentwicklungskompetenz

  • Einführung in die Grundlagen der Qualitätsentwicklung
  • Der Orientierungsrahmen „Seminarqualität“
    • Erstellen eines Seminarprogramms – Verfahren und Vorgehen in der Praxis
  • Einführung in die Grundlagen der Evaluation
    • Evaluationsbereiche in der Praxis
    • Verfahrensweisen
    • Evaluationsinstrumente
    • Implementierungsmöglichkeiten

Modul 2

Personale Aspekte

 

Kompetenz

 

Inhalte

 

Gesprächsführungskompetenz

  • Grundsätze der Gesprächsführung
    • Gesprächsarten im Studienseminar
    • Gesprächstechniken
    • Gespräche vorbereiten, durchführen und nachbereiten
    • Kritikgespräche und Problemlösungsgespräche führen
  • Umgang mit Widerständen
  • Umgang mit Konflikten
    • Konflikte erkennen und bewältigen
  • Umgang mit persönlichen Ressourcen
    • Zeitsouveränität gewinnen
    • Erholungsfähigkeit stärken

Modul 3

Führung eines Seminars

 

Kompetenz

 

Inhalte

 

Leitungskompetenzen

  • Führen und managen
    • Salutogene Führung
  • Aspekte von Führung und Macht
  • Führungsphilosophie
    • Riemann-Thomann-Kreuz und Z-Strategie
    • Wertequadrat (Schulz von Thun)
  • Lösungsorientiertes Interview (Steve de Shazer)
  • Motivation (Herzberg)

Modul 4

Seminarorganisation

 

Kompetenz

 

Inhalte

 

Prozessführungskompetenz

  • Prozesse gelingend gestalten
    • Voraussetzungen und  notwendige Planungsschritte
    • Prozesslandkarte: Kernprozesse, Führungsprozesse und Unerstützungsprozesse erkennen
    • Prozesse beschreiben
  • Prozessmanagement im Seminar implementieren

Modul 5

Rechtliche Aspekte

 

Kompetenz

 

Inhalte

 

Rechtskompetenz

  • Rechtsgebiete und Normenhierarchie
  • Verwaltungsrecht und Verwaltungsakt
  • Rechtbehelf und Rechtsmittel
  • Juristische Arbeitsweisen
  • Rechte und Pflichten im Schulwesen

Modul 6

Inklusion

 

Kompetenz

 

Inhalte

 

Die Leitungen der STS organisieren die Qualifizierung der LIVD in den Handlungfeldern bezüglich inklusiver Bildung (vgl. Curriculum inklusive Schule
„Gemeinsame Bildung und Teilhabe“ KM NDS 2014)

 

Grundlagen der Inklusion

 

Rechtsrahmen in Niedersachsen

Menschenbild und Haltung

Dimensionen der Vielfalt

Beziehung und Erziehung

Classroom-Management

Differenzierung

 

Arbeit in multiprofes-sionellen Teams

Individuelle Lernentwicklung

Leistungs-bewertung

Evaluation und Feedback

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zuständiger Fortbildungsverantwortlicher

Matthias Böckermann
Handy: 0162 4044690

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