Neue Technologien und Allgemeinbildung (1983-1995)

Die Informations- und Kommunikationstechniken ("Neue Technologien") haben grundlegende Bedeutung in allen beruflichen und privaten Lebensbereichen. In Produktion, Dienstleistung, Forschung und Verwaltung erschließen die Neuen Technologien erhebliche Produktivitätspotentiale. Dies führt in allen Wirtschaftsbereichen u. a. zu quantitativen wie qualitativen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt, aber auch zu erheblichen innerbetrieblichen Umstrukturierungen der Verfahrensabläufe und Arbeitsanforderungen - mit positiven wie negativen Effekten. Aber auch im privaten Umfeld haben die Computer vielfältige Bereiche "erobert". Wir verlassen uns im täglichen Leben auf die Funktionsfähigkeit von computergesteuerten Verkehrssystemen, auf die Betriebssicherheit der Bordcomputer im Flugzeug oder in modernen Hochgeschwindigkeitszügen - nur vorübergehend irritieren uns Meldungen wie z. B. über Flugzeugabstürze, die auf ein Versagen der Computersteuerung zurückzuführen sind. Wie selbstverständlich nutzen wir am nächsten Tag wieder die Bequemlichkeit von Geldautomaten und Kontoauszugsdruckern und erledigen vielleicht unsere persönlichen Bankgeschäfte zu Hause am eigenen PC. Gehen wir zum Arzt, so sehen wir, dass kaum eine Arztpraxis heute noch ohne mikroprozessorgesteuerte Diagnosegeräte auskommt; computerbasierte "Expertensysteme" sollen dem Arzt zukünftig bei seinen Diagnosen helfen. Dass zeitweilig "nichts mehr geht", weil die Rechnersysteme ausgefallen sind, nehmen wir wohl oder übel hin, denn der Schaden wird ja bald wieder behoben sein. Im Kino begeistern uns Filmsequenzen, die z. B. Dinosaurier in bisher unvorstellbarer Realitätsnähe "zum Leben erwecken"; die Unterschiede bzw. Grenzen zwischen Film, Fotografie, Video und computererzeugten Bildern verschwimmen. Computerspiele und Musikvideos sind heute bereits Teil der Jugendkultur

Diese Beispiele mögen genügen, um die Bedeutung der Neuen Technologien als moderne Querschnitts- und Schlüsseltechnologien bewusst zu machen. Aber welche Beispiele man auch wählt: Fast immer sind die gesellschaftlichen Auswirkungen des Einsatzes der Informations- und Kommunikationstechniken ambivalent. Erheblichen Chancen im Hinblick auf den gesellschaftlichen Wandel stehen in der Regel nicht zu unterschätzende Risiken für den Einzelnen wie für die Gesellschaft gegenüber. Die Bewältigung des von den Informations- und Kommunikationstechniken in besonderer Weise beeinflussten gesellschaftlichen Wandels gehört deshalb zu den Schlüsselproblemen der Gegenwart. Deshalb muss sich die allgemeinbildende Schule diesen Herausforderungen stärker als bisher stellen, will sie nicht den Anschluss an die außerschulische Realität verlieren und damit ihren Bildungsauftrag verfehlen. Die Schülerinnen und Schüler müssen dazu befähigt werden, diese Techniken in individueller und sozialer Verantwortung zu nutzen, sie kritisch zu beurteilen und den dadurch maßgeblich beeinflussten gesellschaftlichen Wandel mitzugestalten.

Das Land Niedersachsen hat deshalb in einem längeren Entwicklungs- und Erprobungsprozess ein Konzept zur informations- und kommunikationstechnologischen Bildung für alle niedersächsischen Schulen erarbeitet.

Zielsetzung und Struktur

Zielsetzung des Konzepts ist dabei nicht die bloße Vermittlung vertieften Fachwissens in Mikroelektronik, Informatik oder Nachrichtentechnik und auch nicht ausschließlich die Vermittlung von "know-how" im Umgang mit Computer und Programmen. Die pädagogische Intention ist vielmehr die unterrichtliche Auseinandersetzung mit Grundlagen, Anwendungen und gesellschaftlichen Auswirkungen der Informations-und Kommunikationstechniken.

Vorrangig erscheinen die Neuen Technologien im Unterricht der allgemein bildenden Schulen als Lerngegenstand. Dies schließt ihren Einsatz als Werkzeug und Medium im Unterricht nicht aus - vielmehr ergänzen sich die drei Aspekte. Handlungsorientierte Erfahrungen im Umgang mit den Informations- und Kommunikationstechniken bilden die Voraussetzung für eine Erörterung der persönlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen des Einsatzes dieser Techniken. Diese Einsichten wiederum vertiefen die Kompetenz der Schülerinnen und Schüler zur kritisch-konstruktiven Nutzung der Informations- und Kommunikationstechniken innerhalb und außerhalb des Unterrichts.

Die niedersächsische Konzeption orientiert sich bei den übergeordneten Lernzielen und der Struktur der Einbindung in den Unterricht an dem BLK-Rahmenkonzept "Informationstechnische Bildung in Schule und Ausbildung". Danach erfolgt die Vermittlung schwerpunktmäßig im Sekundarbereich l aller Schulformen mit Vertiefung im Informatikunterricht und im Fachunterricht der gymnasialen Oberstufe sowie in den berufsbildenden Schulen. Darüber hinaus sollen in Niedersachsen auch die Grundschule und die Jahrgänge 5 und 6 einen propädeutischen, vorwiegend medienpädagogisch und stark musisch-kreativ ausgerichteten Beitrag zur informations- und kommunikationstechnologischen Bildung leisten.


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