Gesellschaftliche Kompetenzen

Mit der Beschreibung konkreter Kompetenzerwartungen und Inhalte ergibt sich für die politische Bildung, insbesondere auch für die Schule, ein innerer Sinnzusammenhang. (1) "Die Kompetenzen bilden einen inneren Zusammenhang und sollten auch als Ensemble schrittweise angeeignet werden. Nur als „Ganzes“ können sie in der gesellschaftspolitischen Praxis ihre volle Wirkung erzielen.“ (2)

Den von O. Negt (3) ausgewiesenen sechs Grundkompetenzen

  • Identitätskompetenz
  • Gerechtigkeitskompetenz
  • Ökonomische Kompetenz
  • Ökologische Kompetenz
  • Technolgische Kompetenz
  • Historische Kompetenz

werden hier die übergreifenden Kompetenzbereiche

  • Medienkompetenz
  • Gestaltungskompetenz im Rahmen der Bildung für nachhaltige Entwicklung
  • Interkulturelle Kompetenz

hinzugefügt.

Negt betont ausdrücklich, die Kompetenzbegriffe inhaltlich zu besetzen und zu füllen: "Aber die Begriffe Kompetenz und Schlüsselqualifikation sind nicht ungenauer und missbräuchlicher verwendbar als die von Freiheit und Gerechtigkeit. Wenn sie nicht präzise inhaltlich gefüllt werden (und damit meine ich nicht formale Definitionen), verarmen sie, und das in ihnen zwangsläufig enthaltende dynamische Element verwandelt sich in beliebige Verwertbarkeit." (4) Diese inhaltliche Konkretisierung erfolgt in mit den Basiskompetenzen korrespondierenden Lernfeldern.

"Die Konzeption der gesellschaftlichen Kompetenzen nach Negt soll verdeutlichen, dass auch heute eine kritische, bildungstheoretisch begründete politische Bildung einen hohen Stellenwert hat. Zum einen geht es mit diesem Ansatz darum, sich von neo-liberalen Positionen in der Kompetenzdiskussion abzusetzen, nach denen Kompetenzen auf Qualifikation reduziert und häufig funktionalisiert werden. Zum anderen formuliert die Konzeption einen Anspruch an Lernen und Bildung, der über die zumeist ökonomisch begründete, unter den Aspekten von „employability“ und „flexibility“ geführte Diskussion um Qualifizierung hinausweist.

Die gesellschaftlichen Kompetenzen gehen über eine solche kurzfristige, ziel- und aufgabenbezogene Weiterbildung hinaus und verfolgen einen Ansatz, die Kritik-, Reflexions- und demokratische Partizipationsfähigkeit der Menschen weiter zu entwickeln und zu verbessern." (5)

 


(1) Wir orientieren uns in der Beschreibung gesellschaftlicher Kompetenzbereiche an den Ergebnissen aus der Arbeit eines internationalen Projektes im Rahmen des Grundtvig-Programms der EU. Das Projekt wurde getragen von 20 Wissenschaftlern und Bildungspraktikern aus Dänemark, Deutschland, Lettland, Österreich und Polen. SOCRATES-PROGRAMM. PROJEKTE ZUR LÄNDERÜBERGREIFENDEN ZUSAMMENARBEIT Grundtvig 1: Politische Partizipation durch gesellschaftliche Kompetenz: Curriculumentwicklung für die politische Grundbildung.
Die beteiligten Wissenschaftler knüpften dabei an Überlegungen des Soziologen Oskar Negt an, die dieser seit den 80er Jahren entwickelt und in seinem Buch "Der Politische Mensch" noch einmal aktualisiert hat. „Im Mittelpunkt der Projektarbeit stand die Entwicklung von Studienheften, die Lernende dabei unterstützen sollen, sich Grundkompetenzen anzueignen, über die jeder demokratische Bürger verfügen sollte, um über gesellschaftliche Zusammenhänge urteilen zu können und aktiv, kritisch gestaltend, allein oder im jeweiligen Lebens- und Arbeitszusammenhang, tätig werden zu können.“

(2) ebd. S.1

(3) Oskar Negt: Der politische Mensch. Demokratie als Lebensform, Göttingen 20112

(4) ebd., S. 219

(5) Christine Zeuner: Gerechtigkeit und Gerechtigkeitskompetenz: Diskurs und Praxis für eine kritische politische Bildung, in: REPORT (30) 3/2007, S. 39-48

 

 

Historische Kompetenz

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