Wirtschaftspolitik in der Sozialen Marktwirtschaft

Vorbemerkungen

Ökonomisches Handeln in einer hochgradig arbeitsteiligen, interdependenten und vernetzten Wirtschaft bedarf einer Wirtschaftsordnung, welche die Funktionsfähigkeit der Volkswirtschaft sichert, die wirtschaftlichen Aktivitäten koordiniert und zur Realisierung zentraler gesellschaftlicher Ziele beiträgt. In einer marktwirtschaftlichen Ordnung erfolgt die Koordination der einzelwirtschaftlichen Entscheidungen i. W. dezentral durch den Markt-Preis-Mechanismus, der allerdings mit beträchtlichen Funktionsproblemen verbunden ist. Die verschiedenen Erscheinungsformen dieses so genannten „Marktversagens“ begründen staatliche Wirtschaftspolitik in ihren ordnenden, umverteilenden und stabilisierenden Funktionen und Handlungsfeldern.

Auf die Themen und Inhalte dieses Schulhalbjahres sind die zentralen ökonomischen Erkenntnisweisen als Analyseinstrumente anzuwenden und hinsichtlich ihrer Aussagekraft zu reflektieren:

- der Ordnungsgedanke (z. B. beim Vergleich wirtschaftspolitischer Leitbilder und Konzeptionen),

- das Kreislaufmodell (z. B. zur Analyse der gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen haushaltspolitischer Entscheidungen),

- die ökonomische Verhaltenstheorie (z. B. zur Untersuchung möglicher Anreizwirkungen wirtschaftspolitischer Maßnahmen auf die wirtschaftlichen Akteure).

 

Vom grundlegenden Anforderungsniveau unterscheidet sich das erhöhte Anforderungsniveau

a) durch einen höheren Komplexitätsgrad (z. B. hinsichtlich der Deutung des „Marktversagens“ und „Politikversagens“),

b) durch eine umfassendere Auseinandersetzung mit ökonomischen Theorien (insbesondere mit der Transaktionskostentheorie), mit den ideengeschichtlichen Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft (insbesondere mit dem Ordoliberalismus) und wirtschaftspolitischen Konzeptionen (insbesondere Keynesianismus, Monetarismus),

c) durch eine breitere Anwendung und tiefere Reflexion der für das ökonomische Denken relevanten Erkenntnisweisen und Modelle (z. B. des Modells der Preisbildung).

Themen und Inhalte

1. Die Rolle des Staates in der sozialen Marktwirtschaft

• Wirtschaftspolitische Ziele (wie Vollbeschäftigung, Preisstabilität, gerechte Einkommens- und Vermögensverteilung) als Subziele gesellschaftlicher Werte (wie Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit) und Zielkonflikte

• Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft: Wettbewerbs-, Sozial- und Marktkonformitätsprinzip

• Marktversagen und Staatsversagen

 

2. Wirtschaftspolitik am Beispiel des Beschäftigungsproblems

• Arbeitslosigkeit: statistische Erfassung, Ursachen; Folgen für die soziale Sicherung sowie für die Staatsfinanzen

• Die konjunkturpolitische Dimension des Beschäftigungsproblems (Beziehung zwischen Konjunktur- und Beschäftigungsentwicklung, angebots- versus nachfrageorientierte Konzeptionen)

• Die ordnungspolitische Dimension des Beschäftigungsproblems (Regulierung und Deregulierung des Arbeitsmarktes sowie ihre Auswirkungen auf Arbeitnehmer und Unternehmen)

• Die strukturpolitische Dimension des Beschäftigungsproblems (Strukturerhaltungs-, Strukturanpassungs- und Strukturgestaltungspolitik)

• Grenzen nationaler Beschäftigungspolitik angesichts der Verlagerung von Kompetenzen auf die EU-Ebene

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