..um die Stimmen der Frauen

Materialien zum Wahlverhalten von Frauen sowie zur Parteienwerbung um Wählerinnen für den Geschichts- und Politikunterricht

Der politische Hintergrund

Im Jahr 2004 blicken wir auf 85 Jahre praktischer Erfahrungen mit dem Wahlrecht für Frauen in Deutschland zurück. Nachdem die provisorische deutsche Regierung am 12. November 1918 das freie, allgemeine und gleiche Wahlrecht für alle deutschen Männer und Frauen über 20 Jahre verkündet hatte, konnten am 19. Januar 1919 ca. 17,7 Millionen Frauen erstmals ihre Stimme bei der Wahl zur Verfassunggebenden Nationalversammlung abgeben. Wie damals stellen Frauen auch heute noch häufig die Mehrheit der wahlberechtigten Bevölkerung. Doch während die politischen Akteurinnen, die Frauen, die sich – vermehrt seit den 1970er-/80er-Jahren – in den Parteien und in den politischen Gremien auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene engagieren, inzwischen in vielfältiger Weise Aufmerksamkeit erhalten, wird der Ausübung des „aktiven Wahlrechts“, der eigentlichen Stimmenabgabe von Frauen ledilich in der zeitlichen Nähe zu politischen Wahlen größere Beachtung geschenkt.

Dabei hat die historische Wahlforschung hinsichtlich des Wahlverhaltens bis in die 1970er Jahre erhebliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern festgestellt. Zwar hat sich die Wahlbeteiligung von Männern und Frauen im Laufe der 85-jährigen Entwicklung deutlich angenähert. Doch noch immer nehmen etwas weniger Frauen als Männer ihr demokratisches Recht der Stimmabgabe wahr und noch immer sind die Parteipräferenzen von Männern und Frauen in den einzelnen Altersgruppen recht unterschiedlich. Von Wahlmüdigkeit sprechen die Wahlforscher und konstatieren gerade für die jüngeren Altersgruppen und besonders für junge Frauen eine extreme Wahlenthaltung. So übten bspw. bei der Bundestagswahl 2002 rd. 38%, bei der Nds. Landtagswahl 2003 ca. 62% der 21- bis 25-jährigen Frauen ihr Stimmrecht nicht aus.

Vor diesem politischen Hintergrund soll eine Ausstellung von Wahlplakaten der Reichs- und Bundestagswahlen eine Möglichkeit bieten, sich unterhaltsam über das spannungsvolle Verhältnis zwischen Politik/ Parteien und Frauen/Wählerinnen zu informieren. Gezeigt werden in chronologischer Reihenfolge historische und aktuelle Wahlplakate der verschiedenen Parteien, mit denen diese gezielt Frauen als ihre Wählerinnen anzusprechen versuchten und versuchen. Die Konzentration auf Wahlplakate der Reichs- und Bundestagswahlen wird favorisiert, um die Ausstellung als Wanderausstellung auch bundesweit einsetzen und somit einer größeren Öffentlichkeit präsentieren zu können.

 

Wahlplakate und ihre Funktion

Wahlplakate sind das traditionsreichste Werbemittel und gelten als das Wahlkampfmedium schlechthin. Gleichwohl ist über ihre Wirkung wenig bekannt. Für die Parteien besteht ihre wichtigste Funktion in der Präsenz im Straßenbild. Sie sollen die Mitglieder und Sympathisanten mobilisieren und die Wahlbeteiligung erhöhen. Darüber hinaus werden mit ihnen die wichtigsten politischen Themen und Ziele der Parteien in die Öffentlichkeit transportiert.

Als Ausstellungsgegenstand bieten Wahlplakate besonders im historischen Längsschnitt die Möglichkeit, sich ausgesprochen anschaulich mit der Entwicklung von Wahlwerbung, Wahlkampf und Politik, kurz: mit der politischen Kultur einer Gesellschaft, auseinander zu setzen. In dieser Perspektive sind Wahlplakate, wie alle politischen Plakate, eine „kultur- und zeitgeschichtliche Quelle von eigener Aussagekraft“. Als „optische Zeugen“ ermöglichen sie, nachträglich „Augenzeuge“ vergangener Wahlkämpfe zu werden. Sie vermitteln einen Eindruck von den großen politischen Zeit- und Streitfragen, von politischen Ideologien und Zielvorstellungen der Parteien. Zugleich bieten sie durch ihre künstlerisch-ästhetische Gestaltung, durch die Art ihrer Aufmachung und der Sprache ein sinnliches Eintauchen in den Zeitgeist.

 

Materialien zum Wahlverhalten von Frauen sowie zur Parteienwerbung um Wählerinnen für den Geschichts- und Politikunterricht

Begleitend zur Präsentation der Ausstellung, die sich generell an ein breites interessiertes Publikum richtet, sollen mit der Internetpräsentation Anregungen und Materialien für die unterrichtliche Behandlung des Themas zur Verfügung gestellt werden. Die Materialien ermöglichen eine Auseinandersetzung im historischen Längsschnitt oder die exemplarische Bearbeitung der einzelnen Themen. Sie finden hier:

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