DS in Niedersachsen

Zum Stand des Darstellenden Spiels in Niedersachsen

Darstellendes Spiel hat seinen Stellenwert in niedersächsischen Schulen nicht nur im AG- und Projektbereich und als methodisches Prinzip im Fachunterricht verschiedener Fächer, sondern vor allem als eigenständiges Fach in der Sekundarstufe II (seit 1997) und im Wahlpflichtbereich der Sekundarstufe I im Rahmen der Stundentafel 1. Seit 2011 kann Darstellendes Spiel auch als mündliches Abiturprüfungsfach gewählt werden.

Das Schulfach Darstellendes Spiel – als drittes künstlerisches Fach der gymnasialen Oberstufe neben Musik und Kunst – ist in nunmehr neun Bundesländern (Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz) als Unterrichtsfach in der Schule eingeführt.


Studiengang „Darstellendes Spiel"

Darstellendes Spiel wird sowohl als grundständiger als auch als Erweiterungsstudiengang in Kooperation der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig mit der Technischen Universität Braunschweig, der Universität Hannover, der Hochschule für Musik und Theater Hannover und der Universität Hildesheim angeboten.

Das Studienfach Darstellendes Spiel vermittelt den Studierenden Kenntnisse und Fähigkeiten für die Lehrtätigkeit in den Bereichen Theater, Performance und Kunst in Aktion. Die Studieninhalte sind nach Modulen gegliedert. Künstlerische, fachwissenschaftliche und fachdidaktische Lerninhalte und Methoden werden eng aufeinander bezogen. Das eigene künstlerische Experimentieren, die wissen-schaftliche Reflexion und didaktische Überlegungen, wie die Vermittlung und der Transfer der Kunst-formen Theater und Performance in die schulische und außerschulische Praxis gelingt, ergänzen einander.

Der Studiengang ist in modularer Form an der HBK Braunschweig, der Hochschule für Musik und Theater Hannover, der Technischen Universität Braunschweig, der Universität Hannover, und der Universität Hildesheim organisiert. Nach bestandener Zugangsprüfung, die gemeinsam von den fünf Hochschulen organisiert wird, absolvieren die Studierenden in der Regel ein neunsemestriges Studium mit 64 Semesterwochenstunden (SWS).

Darstellendes Spiel kann als Lehramtsstudium mit den Unterrichtsfächern Deutsch, Englisch oder Musik kombiniert werden. An der HBK Braunschweig sind mit dem Darstellenden Spiel als Hauptfach im 2-Fächer-Bachelor-Studiengang auch die Nebenfächer Kunstwissenschaft, Medienwissenschaften und Kommunikationsdesign möglich.
Das Bachelor-Studium endet mit einem ersten berufsqualifizierenden Abschluss. Der erfolgreiche Abschluss eröffnet bei besonderer Eignung den Zugang zu einem anschließenden Master-Studium für das Lehramt an Gymnasien (weitere Informationen unter: www.hbk-bs.de).
 
Zweite Ausbildungsphase - Referendariat

Im Sommer 2009 haben die ersten ReferendarInnen nach bestandenem zweiten Staatsexamen ihre Ausbildung am Staatlichen Studienseminar Braunschweig beendet und sind in den Schuldienst über-nommen worden. In den folgenden Jahren sind dann auch  die StudentInnen, die nach dem neuen Bachelor- und Master-Studiengang studiert haben, in die zweite Ausbildungsphase eingetreten. Neben Braunschweig können die Referendarinnen und Referendare auch an den Studienseminaren in Göttingen und Hannover  ausgebildet werden.
 
Weiterbildungsmaßnahme „Darstellendes Spiel für die Sekundarbereiche I und II“

Einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung des Faches hat das NLQ (vormals NiLS) geleistet. Initiiert von Fachverband für Theatererziehung und Schultheater e.V. sind in Zusammenarbeit mit dem NiLS seit 1994 kontinuierlich Weiterbildungsmaßnahmen konzipiert und umgesetzt worden.

 Von 1994 bis 1999 wurde als Modellversuch das „Projekt Schultheater – Weiterbildungsmaßnahme des NLI Darstellendes Spiel und Schultheater“ durchgeführt. Die Maßnahme (ein Durchgang Primar-bereich, drei Durchgänge Sekundarbereich I und zwei Durchgänge Sekundarbereich II) war so ange-legt, dass neben der  Qualifikation von Lehrkräften Weiterbildungskonzepte für Darstellendes Spiel entwickelt, durchgeführt und evaluiert wurden.

Die Durchgänge wurden als zentrale Kurse in ausgewählten Fortbildungsregionen durchgeführt, so dass der Einzugsbereich, aus dem die Lehrkräfte kamen, vorrangig deren Bereich entsprach. Jeder Durchgang berücksichtigte jeweils eine Fortbildungsregion in jedem Bezirk, so dass der landesweite Bezug gewahrt blieb. Daraus ergibt sich, dass ein Netzwerk von Lehrkräften in gegenseitig gut er-reichbarer Nähe entstehen kann, durch das der kontinuierliche Austausch von Erfahrungen gefördert wird. Ressourcen der Regionen – sowohl personelle als auch institutionelle – können besser genutzt, Besonderheiten können eingebracht und Defizite können stärker berücksichtigt werden. Zusätzlich wird die Schwelle, Weiterbildungsangebote wahrzunehmen, durch den räumlich bedingten geringeren persönlichen Zeit- und Organisationsaufwand gesenkt.

Auf Basis dieser Erfahrungen sind in der Folge vier weitere Durchgänge, in jedem Bezirk einer,  konzipiert und durchgeführt worden, die im 2. Halbjahr 2000 beendet worden sind. Insgesamt haben etwa 200 Lehrkräfte an diesen Weiterbildungskursen teilgenommen und mit einem Zertifikat abgeschlossen, das ihnen die Befähigung ausspricht, das Fach Darstellendes Spiel zu unterrichten.

Aufgrund gleichbleibend großer Nachfrage nach Weiterbildung für das Fach und bei rückläufigen öffentlichen Mitteln hat das ehemalige NiLS, jetzt NLQ eine neue Weiterbildungsmaßnahme aufgelegt, die sich aus der Zusammenarbeit des NLQ mit niedersächsischen Anbietern von theaterpäda-gogischer Fort- und Weiterbildung ergibt. Lehrkräfte,  die ein Zertifikat erwerben wollen (mindestens 250 Stunden), müssen in einem Pflichtbereich, der mindestens 180 Stunden umfasst, bestimmte Module nachweisen (Miteinander ins Spiel kommen, Grundlagen des szenischen Spiels I – III, Spielleitung I – III und Unterrichtspraxis I und II) und zeigen, dass sie in einem Wahlbereich, der ca.70 Stunden umfasst, ihre Fachkompetenz vertieft haben. Der Anbieter ist frei wählbar, die Weiterbildung soll in der Regel nach zwei Jahren abgeschlossen sein. Die Maßnahme ist so konzipiert, dass durch eine erfolgreiche Teilnahme die Qualifikation für den Unterricht im Fach Darstellendes Spiel in den Sekundarbereichen I und II bescheinigt wird. Sie ist keine Qualifikation im Sinne eines Zweitfaches.

Dieses Angebot, das im 2. Halbjahr 2001 begonnen hat, ist bis jetzt von über 900 Lehrkräften mit entsprechender Zertifizierung durchlaufen worden.
 
Situation des Faches

An über 120 Schulen (Stand Schuljahr 2011/12) mit gymnasialer Oberstufe kann von den Schüle-rinnen und Schülern Darstellendes Spiel als Fach zur Abdeckung der Pflichtauflagen im musisch-künstlerischen Bereich gewählt werden, die erworbenen Punkte können für vier Semester eingebracht werden.

Für den Doppeljahrgang und alle nachfolgenden Jahrgänge hat sich die Situation grundsätzlich geändert. Seit November 2006 gibt es für das Fach „Einheitliche Prüfungsanforderungen“, die auch von Niedersachsen übernommen worden sind. Damit kann Darstellendes Spiel mit dem Abitur 2011 als fünftes (mündliches) Prüfungsfach gewählt werden, wenn die Schule einen entsprechenden Antrag gestellt hat. Gleichzeitig können die SchülerInnen, die in der Oberstufe ein „Musisch-künstlerisches Profil“ gewählt haben, Darstellendes Spiel als Ergänzungsfach wählen, sofern es an der Schule eingeführt ist.

Im Sekundarbereich I wird Darstellendes Spiel  zunehmend  im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts nach Stundentafel 1 angeboten, zumeist in Verbindung mit Kunst und/oder Musik. Damit eröffnet sich für bestimmte Schülergruppen die Möglichkeit, das Fach kontinuierlich von Klasse 7 bis Klasse 12 belegen zu können.

Beinahe alle Gesamtschulen (IGS und KGS) bieten Darstellendes Spiel im Wahlpflichtbereich musisch-kulturelle Bildung an. Hier liegen auch schon erste Erfahrungen mit der „Fachbezogene Leistungsüberprüfungen“ im Jahrgang 10 im Fach Darstellendes Spiel vor.

Schulen, die das Fach einführen wollen, müssen die Genehmigung der obersten Schulbehörde einholen. Diese ist an bestimmte Bedingungen ( personell, materiell) geknüpft. Der Antrag an das Kultusministerium muss folgende Angaben enthalten:

  1. Beschluss des Schulvorstandes/der Gesamtkonferenz.
  2. Zustimmung des Schulträgers.
  3. Die Namen der Lehrkräfte, die das Fach unterrichten werden. Davon sollte in der Regel eine Lehrkraft an einer Weiterbildungsmaßnahme des Landes Niedersachsen teilgenommen haben.
  4. Angaben über die Fachinhalte und über den geplanten Unterrichtsverlauf in den Jahrgängen 10 bis 12 ( Grundlage hierfür sollen die EPA,  der „Vorläufige Rahmenplan Darstellendes Spiel, Berlin“ und der „Lehrplan Darstellendes Spiel für  die gymnasiale Oberstufe, Hamburg“ sein ).
  5. Übersicht über die geplanten Leistungskontrollen und über die Gewichtung der Teilleistungen.

Schülertheatertreffen

Niedersachsen verfügt über zwei große Schülertheatertreffen, die über die Landesgrenzen hinaus Bedeutung haben. Beiden gemeinsam ist, dass sie für Schüler aller Schulformen offen sind.

Das Niedersächsische Schüler-Theater-Treffen (NSTT) besteht seit 1980 und findet im Zweijahresrhythmus statt. Veranstalter ist der Fachverband für Theatererziehung und Schultheater e.V., der das Treffen mit Unterstützung des Kultusministeriums und der Kommune durchführt, die das zentrale Abschlusstreffen organisiert. Zeitweilig haben sich bis zu 130 Schülertheatergruppen zur Teilnahme angemeldet, von denen jeweils etwa 12 Gruppen auf dem Abschlusstreffen eine exem-plarische Momentaufnahme der aktuellen nieder-sächsischen Schultheater-Landschaft gezeigt haben.

Die Braunschweiger Schultheaterwoche hat 2009 zum 40. Mal stattgefunden und ist damit bundes-weit das älteste Theatertreffen für Schüler. Getragen wird die Schultheaterwoche vom Verein zur Förderung des Schultheaters im (ehemaligen) Regierungsbezirk Braunschweig e.V. in Zusammen-arbeit mit der Landesschulbehörde Braunschweig, dem Staatstheater Braunschweig und dem deutschen Theater in Göttingen. Die Schülertheatergruppen, die sich zu diesem Treffen melden, werden im Vorfeld theaterpädagogisch betreut und nach den Aufführungen wird ihre Arbeit in Gesprächsrunden gewürdigt. Die hier entwickelte und gewünschte Vernetzung leistet einen wichtigen Beitrag zur Förderung  und zur Bestätigung der Theaterarbeit in den Schulen des Bezirks.

Beide Treffen zeigen, dass es bei vielen Schülerinnen und Schülern ein elementares Bedürfnis gibt, sich mit den Mitteln des darstellenden Spiels kreativ mit der eigenen, der vergangenen oder der zukünftigen Wirklichkeit auseinanderzusetzen.
 
Mai 2012

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