Misteln - alles außer gewöhnlich

Halbschmarotzer

Misteln (Viscum album) sind kleine parasitisch lebende Sträucher, die in den Baumkronen verschiedener Baumarten wachsen. Normale Wurzeln haben sie nicht, sondern spezielle Saugwurzeln, die mit dem Holz des Wirtsbaums verwachsen und von diesem Wasser, Nährsalze und möglicherweise auch Fotosyntheseprodukte aufnehmen. Da Misteln aber auch selbst fotosynthetisch aktiv sind, zählt man sie zu den Halbschmarotzern oder Hemiparasiten.
 
Saugwurzel (Haustorium) der Mistel (Viscum alba)
 
Saugwurzel (Haustorium) von Viscum album mit Wirtspflanze       Bildrechte: By Julius Sachs (1832-1897) [Public domain], via Wikimedia Commons

Zweihäusige Pflanzen

An das Leben in den Baumkronen sind Misteln sehr gut angepasst. Schon im März blühen sie, wenn die Bäume noch unbelaubt sind. Die weißen Beeren reifen dann aber erst im Dezember, wenn die Bäume schon wieder kahl sind. Beides ist wichtig. Misteln sind zweihäusige Pflanzen, Insekten müssen zur Bestäubung also männliche und weibliche Pflanzen aufsuchen. Das Finden der Blüten ist im März leichter und außerdem gibt es wenig andere Nahrungsquellen für die frühen Blütenbesucher, so dass eine effiziente Pollenübertragung wahrscheinlich ist.

Symbiose mit Vögeln

Im Dezember wiederum ist es wichtig, dass die Beeren von Vögeln gefunden werden. In der kalten Winterzeit sind die namensgebenden weißen Beeren der Mistel eine wichtige Nahrungsquelle für viele Vögel. Das Innere der Beeren enthält außer den Samen eine überaus klebrige Masse. Beim Fressen der Beeren bleibt oft davon etwas - zusammen mit den Samen - am Schnabel des Vogels kleben. Wetzt der Vogel deshalb seinen Schnabel an dem Ast eines Nachbarbaums, bereitet er dem im Samen ruhenden Keimling eine gute Startposition. Aber auch die Ausscheidungen der Vögel sind noch klebrig genug, um mit den unverdaulichen Samen am Ast festzuhaften. Aus den Mistelbeeren hat man übrigens früher Leim hergestellt und noch immer leitet sich der Begriff "Viskosität" für Zähflüssigkeit von dem lateinischen Namen der Mistel (Viscum album) ab.

Ohne Sonnenschutz

Allerdings birgt die exponierte Lage in den kahlen Baumkronen für die Mistel auch ein Risiko. Bei anhaltend sehr kaltem, aber sonnigen Wetter kann die immergrüne Pflanze an Wassermangel leiden, wenn wegen des Bodenfrostes die Wirtpflanze die Transpirationsverluste nicht ausgleichen kann. Im Extremfall kommt es zum Absterben der Mistel.

Unterarten

Alle in Mitteleuropa lebenden Misteln gehören zu derselben Art, der weißbeerigen Mistel (Viscum album). Allerdings gibt es drei Unterarten: Die Laubholz-Mistel (Viscum album subsp. album) lebt auf Pappeln, Weiden, Apfelbäumen, Birnbäumen, Weißdorn, Birken, Eichen, Linden und Ahornen. Im Alpenraum kommen außerdem noch die Tannen-Mistel (Viscum album subsp. abietis) und die Kiefern-Mistel (Viscum album subsp. austriacum) vor.

Umsetzung im Biologieunterricht

Am Thema Mistel kann hervorragend gezeigt werden, wie sich ein Untersuchungsobjekt mithilfe unterschiedlicher biologischer Teildisziplinen erforschen lässt. Neben den augenfälligen ökologischen Beziehungen der Mistel sind ihre Angepasstheiten an die ungewöhnlichen Lebensbedingungen auch pflanzenphysiologisch und evolutionsbiologisch von Interesse. Zudem liefern die noch nicht abgeschlossene Artbildung der Mistel-Unterarten und das Auftreten der Misteln als Indikator für den Klimawandel Diskussionsstoff.

In der Qualifikationsstufe birgt das Thema Mistel genug Material für eine mehrstündige Unterrichtseinheit oder für eine Projektarbeit oder auch für eine Klausur unter Abiturbedingungen.

Mit der Fokussierung auf die Highlights können Sie mit dem Thema Mistel aber auch eine spannende Stunde vor den Weihnachtsferien gestalten, die schon jüngere Lerngruppen anspricht. Ein paar Mistelzweige zu beschaffen, ist jetzt übrigens kein Problem.

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